New Work real: Wie kommen wir von der alten DNA in eine neue agilere Welt

Gestern hatte ich ein Interview mit einer Zeitschrift zum BuzzThema agile Transformation, New Work und Digitalisierung (folgt). Seit langem forsche ich mit Kollegen daran, wie der Spagat zwischen alter Struktur und neuem agilen Arbeiten funktionieren kann und wie eine – möglichst schnelle – Transformation gelingt … gerade in etablierten Unternehmen. Hier schon mal ein Auszug. #NewWork

Q.: Was ist Ihre Definition von Agilität?

Christina: Für Unternehmen heißt Agilität in der Lage zu sein, sich schnell auf sich verändernde Umfelder einzustellen und ggf auch mal die Richtung zu wechseln. Daneben sind sie in der Lage in Parallelprozessen zu arbeiten und die Anzahl an Entscheidungs- oder Abstimmungsknoten zu minimieren. Führungsaufgabe ist es dann, die Bahn frei zu machen, damit Teams sich selbst organisieren können uns schnell lernen.

Die Fähigkeit, ergebnisoffene Prozesse auszuhalten ist auch ein direktes Anzeichen von agiler Kompetenz.

Die Fähigkeit, ergebnisoffene Prozesse auszuhalten ist ein direktes Anzeichen von agiler Kompetenz.

Q: Welche hauptsächlichen Vorteile von Agilität und New Work im Unternehmen sehen Sie generell?

Christina: Für Unternehmen ist mehr Agilität eine umfassende Chance. Fast alle Teams, Strukturen, Prozesse werden schneller, selbstorganisierter und resilienter. So können beispielsweise neue Geschäftsmodelle schnell getestet und neue Märkte relativ schnell angegangen werden, denn Problemlösung passiert im agilen Arbeiten grenzüberschreitend.

Mitarbeiter verbringen wesentlich weniger Zeit mit lästigen Abstimmungsprozessen und Politik und viel mehr mit Kollaboration und kundenfokussierter motivierender Arbeit.

Agilität ist aber nicht nur gut für das Unternehmen an sich. Vor allem ist agile Transformation idR großartig für die Kunden und Mitarbeiter, weil viel Neues positiv entsteht. Das kann die Skalierung der Produktvision genauso sein, wie beispielsweise das Ausmaß in dem ein Unternehmen für seine Kunden Wert, Entwicklung und Inspiration liefert. Kunden bekommen neue Entwicklungen schneller und erleben gute Dynamik. Und gleichzeitig sind die Mitarbeiter engagierter, also pro-aktiver. Sie verbringen wesentlich weniger Zeit mit Abstimmungsprozessen und Politik und viel mehr mit Kollaboration und motivierender Arbeit. Also alles perfekt … 😉

Q:Was sind denn die häufigsten Stolpersteine in Ihren Transformationsprojekten hin zu mehr Agilität?

Christina: Das Verstehen und Erlernen von #Ambidextrie ist relativ einfach. Die Herausforderung folgt im zweiten Schritt, wenn beispielsweise von Incentive Systemen über Performance Messung bis hin zu Bonus- und Karrieresystemen alles neu ausgerichtet werden muss. Wenn in agilen cross-funktionalen Teams im Silo incentiviert wird, scheitert der Ansatz idR schnell und heraus kommt die beschriebene Zombie Agilität. Für viele ein sehr radikaler Schritt, der im ersten Augenblick überfordert. Ohne die klare mutige Anpassung der alten (HR-) Systeme ist agiles Arbeiten nicht möglich – unabhängig von vom Org-Design oder von der gewählten agilen Methode.

Dasselbe gilt natürlich erst recht für die innere Haltung und die informellen Rituale und Verhaltensmuster.

Q.: Was meinen Sie?

Christina: Organisationen werden zunächst einmal von den Menschen zusammengehalten, die dort arbeiten. Folglich ist deren Prägung, also Mindset DNA und Veränderungsbereitschaft, absolut ausschlaggebend für die reale Agilität des Unternehmens. Technologie kann dabei als „Enabler“ wirken und ein flexibles Org.-Design, das Selbstorganisation und Augenhöhe zulässt hilft … am Ende gestaltet aber die kritische Masse der Menschen eine erfolgreiche Transformation. Wenn Mitarbeiter und Management den Mehrwert für das Unternehmen – und für sich persönlich – erleben, dann wird Agilität zur viralen Bewegung.

Christina Bösenberg ist seit 1999 in Sachen Transformation und New Work unternehmerisch und beratend unterwegs.

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